INVENTIONEN 2010

Musik für mehr als einen Lautsprecher ...
BEASTory 1 & 2

Donnerstag 29. Juli / Kirche St. Elisabeth

featuring BEAST (University of Birmingham, UK)



CONCERT 1 – 19:00, Thursday 29 July / BEASTory 1


BEASTory (2010), UA, 8:00       Jonty Harrison

– to Scott Wilson

Ausgehend von Klängen, die das BEAST-System produziert, wenn es gerade nicht mit einer Aufführung befasst ist (also beim Transport und beim Auf‑ oder Abbau), ist dieses Stück ein erster Versuch, die unscharfen Grenzen zwischen Komposition und Aufführung zu erkunden, die ein großes Lautsprechersystem (BEAST) ermöglicht, wenn es von einer flexiblen und anspruchsvollen Software gesteuert wird (BEASTmulch – verfasst größtenteils von meinem Kollegen und Freund Scott Wilson). Die Aufnahmen entstanden im Rahmen von BEAST-Konzerten und, mit der Hilfe von Julien Guillamat, im BEAST-Lager (engl. „store“), daher der Titel.

Jonty Harrison (geboren 1952), Ausbildung an der University of York bei Bernard Rands, David Blake and Elisabeth Lutyens. 1976–1980 musikalische Tätigkeit in London (National Theatre, City University), seit 1980 Unterrichtstätigkeit an der University of Birmingham (Komposition, elektroakustische Musik), Leiter des BEAST (Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre) und der elektroakustischen Musikstudios. Viele seiner ehemaligen Studenten sind weltweit führend in Komposition und Lehre elektroakustischer Musik. Er war Preisträger u.a. beim Concours de musique electroacoustique, Bourges, beim Prix Ars Electronica, bei Musica Nova Prag und beim Lloyds Bank National Composers Award; zahlreiche Aufführungen und Rundfunkausstrahlungen weltweit, diverse Einladungen als Gastkomponist. Audio-Veröffentlichungen: zwei Solo-CDs (Articles indéfinis und Évidence matérielle) und eine Audio-DVD (Environs) bei „empreintes DIGITALes“ (Montréal), diverse Beiträge auf Sammelpublikationen. 2010 lehrt Jonty Harrison als Edgard-Varèse-Gastprofessor an der TU Berlin.

Based on the sounds of the BEAST system when it is not actually performing (i.e. when it is being transported, set up or taken down), this short piece is an initial attempt to explore the fuzzy boundary between composition and performance made available by a large loudspeaker system (BEAST), controlled by flexible and sophisticated software (BEASTmulch – largely written by my colleague and friend, Scott Wilson). The recordings were made on BEAST gigs and, with the assistance of Julien Guillamat, in the ‘BEAST store’ (hence the awful title – sorry!).

Jonty Harrison (born 1952) studied at the University of York (DPhil) with Bernard Rands, David Blake and Elisabeth Lutyens. In 1980, after four years in London (National Theatre; City University), he joined the University of Birmingham, where he is Professor of Composition and Electroacoustic Music, and Director of the Electroacoustic Music Studios and BEAST (Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre). Many of his former graduate students are leading figures in the composition and teaching of electroacoustic music internationally.
Composition prizes include: Bourges International Electroacoustic Awards (including a Euphonie d'or for Klang); Prix Ars Electronica; Musica Nova, Prague; Lloyds Bank National Composers' Award. Commissions have come from leading performers and studios, including: Ina-GRM; IMEB; ICMA; MAFILM/Magyar Rádió; Electroacoustic Wales/University of Wales Bangor; IRCAM/Ensemble InterContemporain; BBC.
His music is performed and broadcast worldwide and he has been guest composer at numerous international festivals. Two 'solo' CDs (Articles indéfinis and Évidence matérielle) and a DVD-Audio (Environs) are available on empreintes DIGITALes (Montréal), and several works also appear on the SAN/NMC, Cultures électroniques/Mnémosyne Musique Média, CDCM/Centaur, Asphodel, Clarinet Classics and EMF labels.

http://www.electrocd.com/bio.f/harrison_jo.html
http://artsweb.bham.ac.uk/harrison/


Re:# akou a sema (2010) 13:20 Garfield Benjamin

Dieses akusmatische Stück nutzt Material, das für ein Forschungsprojekt namens The Work of Art in the Age of Digital Reproduction gesammelt wurde; in dem neuen Stück geht es um asemische kreative Prozesse.

Garfield Benjamin (geboren 1987) studiert bei Prof. Jonty Harrison. Forschungsinteressen: digitale Medien und Ästhetik, kritische Theorie in der postmodernen Kultur, Kunst als Phänomen und Text. Als Komponist arbeitet er hauptsächlich im elektroakustischen Medium, nutzt aber auch instrumentale und visuelle Mittel.

This acousmatic piece takes material gathered for a research project entitled The Work of Art in the Age of Digital Reproduction to create a new work exploring asemic creative processes.

Garfield Benjamin (born 1987) is currently undertaking doctoral research under Prof. Jonty Harrison, where his research interests include digital media and aesthetics, critical theory in postmodern culture and art as phenomena and text. He works primarily in the electroacoustic medium but also uses instrumental and visual resources.


Nuages (2010) 5:00   Maurits Fennis

„Was ich zu formen, zusammenzusetzen, zu fördern suche – ich finde nicht das richtige Wort –, ist eine Syrrhese und nicht ein System, ein mobiler Zusammenfluss von Strömen. Turbulenzen, Tiefdruckgebiete, die sich über Hochdruckgebiete schieben, wie auf der Wetterkarte, Knoten aus Stroh. Ein Beziehungsgeflecht. Vorüberziehende Engelsschwärme. Und wiederum der Tanz der Flammen. So tanzt der lebende Körper, und so tanzt das Leben“ – Michel Serres
Nuages wurde im Frühling 2010 in den elektroakustischen Musikstudios der Uni­versity of Birmingham komponiert. Dabei kam die dort entwickelte Software „Ambi­fonica“ zum Einsatz, die vermittels der Ambisonics-Technik eine Klangspazialisation mit beliebig vielen Kanälen gestattet. Bei der heutigen Aufführung handelt es sich um die Premiere des Werkes.

Maurits Fennis (geboren 1981) studierte am Königlichen Konservatorium und an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Den Haag bei Edwin van der Heide und bei der Architectural Association in London bei Yusuke Obuchi; zur Zeit studiert er bei Jonty Harrison an der University of Birmingham. Seine Werke wurden europaweit aufgeführt und ausgestellt.

"What I seek to form, to compose, to promote – I can’t quite find the right word – is a syrrhèse, a confluence not a system, a mobile confluence of fluxes. Turbulences, overlapping cyclones and anticyclones, like on the weather map. Wisps of hay tied in knots. An assembly of relations. Clouds of angels passing. Once again, the flames’ dance. The living body dances like that, and all life." – Michel Serres

Nuages was composed during spring 2010 at the electroacoustic studios at the University of Birmingham, using the Ambifonica software developed at the University for n-channel sound spatialisation utilizing ambisonics. The current diffusion of the piece is the premiere.

Maurits Fennis (born 1981) studied at the Royal Conservatoire and the Royal Academy of Fine Art in the Hague under Edwin van der Heide, at the Architectural Association in London under Yusuke Obuchi, and is currently a PhD candidate under Jonty Harrison at the University of Birmingham. His works have been performed, exhibited and screened throughout Europe.


SIMORGH (2010),      Richard Barrett

Der Titel des Stücks bezieht sich auf das um 1177 von Fariduddin Attar verfasste mystische Sufi-Gedicht „Die Vogelgespräche“. Es handelt von einer großen Menge Vögel, die sich auf die Suche nach dem mysteriösen Vogel „Simorgh“ begeben. Nur dreißig von ihnen können die Suche zu Ende führen, sie finden nichts als ihre eigenen Spiegelbilder in einem See („si“: pers. „dreißig“; „morgh“: pers. „Vögel“). So wird ihnen klar, dass das Ziel ihrer Suche ihre eigene kollektive Transzendenz war. Die Musik erzählt diesen Prozess nicht nach, sondern versucht auf metaphorische Weise seinen Endzustand zum Ausdruck zu bringen, indem vielfältige Klangquellen die verschiedenen Facetten eines einzigen „Instruments“ bilden, das den gesamten Raum einnimmt.

Richard Barrett, geboren 1959 in Swansea/Wales, studierte Komposition bei Peter Wiegold. Kranichsteiner Musikpreis 1986, Gaudeamusprijs 1989, British Composer Award for Chamber Music 2003; 1996–2001 und 2007 bis jetzt Lehrtätigkeit für elektronische Komposition und Performance am Institut für Sonologie am Königlichen Konservatorium Den Haag. 2001–02 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD . 2006–09 Professor of Music an der Brunel University (London). Lebt jetzt wieder in Berlin. In den letzten Jahren begann er seine Tätigkeit als Improvisationsmusiker mit seiner kompositorischen Arbeit zu verbinden, wie etwa im abendfüllenden Werk DARK MATTER (Gesamturaufführung beim Festival MaerzMusik Berlin 2003), in Zusammenarbeit mit dem Installationskünstler Per Inge Bjørlo, Cikada Ensemble (Oslo) und Elision Ensemble (Brisbane). Zusammenarbeit mit Paul Obermayer als Elektronik-Duo FURT (seit 1986), mit dem Oktett fORCH (für das New Jazz Meeting des SWR 2005 gegründet), mit der Vokalistin Ute Wassermann, dem Saxophonisten Evan Parker (u.a. in seinem „Electro-Acoustic Ensemble“) und diversen Ensembles und improvisierenden Musiker.


Kaleidoscope: Arcade (2004) 8:40      Peter Batchelor

Komm hinter die Neonfassaden der einarmigen Banditen und der Flipperautomaten, direkt in die Herzen der Maschinen selbst. Zwischen Zahnrädern und Hebeln erhebt sich allumfassend ein wildes Pfeifen, Sausen, Knarren und Rollen. Ein Rasen der Maschine. Flüchtig sind die Ruhepausen, denn kaum ist ein Spiel beendet, fallen sogleich wieder Münzen in den Schlitz, um ein neues Spiel zu beginnen.
Das Stück feiert die Erfahrung der Spielhalle in ihrer ganzen Vielfalt. Als Teil der Werkreihe Kaleidoscope will es den Zuhörer direkt in die Klangquelle hinein versetzen.

Peter Batchelor (geboren 1974) lebt als Komponist und Klangkünstler in Birmingham. Nach seinem Studium bei Jonty Harrison und Andrew Lewis unterrichtet er an der De Montfort University in Leicester. Batchelor arbeitet vorwiegend mit fixierten Medien, von zweikanaligen „Tonband“-Kompositionen für Konzertaufführungen bis zu groß angelegten Mehrkanal-Installationen. Seine Werke erhielten Auszeichnungen u.a. beim Concours de musique electroacoustique de Bourges und dem International ElectroAcoustic Music Contest von São Paulo, sie werden weltweit aufgeführt.

Come behind the neon façades of the one-armed bandits and pinball machines and into the hearts of the machines themselves. Among the gears and levers, the whistling, darting, ratcheting and rolling is frantic and all-encompassing. A rage within the machine. Respites are fleeting, for no sooner has a game ended than more coins are pressed into the slot to start another.
This piece is a celebration of the arcade experience in its myriad forms. It continues the Kaleidoscope series in which the aim is to place the listener within the sound source.

Peter Batchelor (born 1974) is a composer and sound artist living in Birmingham, UK. He has studied with Jonty Harrison and Andrew Lewis and is currently a lecturer at De Montfort University, Leicester.

Predominantly working with fixed-media, his output ranges from two-channel 'tape' compositions for concert diffusion to large-scale multi-channel installation work. Compositions have received recognition from such sources as the Concours de musique electroacoustique de Bourges and the International ElectroAcoustic Music Contest of São Paulo and have been performed internationally.


Stress Vs Piece 2: Ambivalence (2010) 10:07    Rosalyn Coull

Stress Vs Piece 2: Ambivalence ist das zweite einer Reihe von drei Stücken, die den unaufhörlichen Kampf zwischen Tumult und Ruhe darstellen. Ausgehend von farbigen „natürlichen“ Klängen werden bewusste und unbewusste Welten überlagert. Als Hauptvorgabe verwendet das Stück Klänge, die sich nicht allzu weit von ihren ursprünglichen Klangquellen entfernen und so ihre erkennbaren natürlichen Qualitäten beibehalten. Als Gesamtrahmen geht es um die Unruhe im Bewusstsein nach Anspannung oder Stress.

Rosalyn Coull (geboren 1985) beendete 2009 ihr Musikstudium an der University of Birmingham und spezialisierte sich auf dem Gebiet der Studio-Komposition. Momentan arbeitet sie an ihrer Promotion (Komposition) bei Prof. Jonty Harrison und arbeitet als aktives Mitglied bei BEAST mit.

Stress Vs Piece 2: Ambivalence is the second in a series of three works that represent the eternal battle between turmoil and tranquillity. From the colourful “natural” sounds, conscious and unconscious worlds are juxtaposed. In this piece the main objective was to use sounds that are not too far removed from their original sources and therefore retain their recognisable natural characteristics. The overall setting represents the unrest in the consciousness after stress.

Rosalyn Coull (born 1985) completed a Master of Music (MMus) degree at the University of Birmingham in 2009, specialising in studio composition. She is currently pursuing a PhD in composition at Birmingham with Professor Jonty Harrison. She is also an active member of BEAST.


Maresia (2005) 11:45         Daniel Barreiro

Maresia (portug. „Geruch des Meeres“ oder „Meeresdunst“) für elektroakustische Klänge auf acht Kanälen wurde auf zwei verschiedene Weisen vom Meer inspiriert: zum Einen von der angenehmen Erfahrung, eingetaucht von Wasser umgeben zu sein, zum Anderen von der Bewegung der Wellen und der Energie, die sie freisetzen, wenn sie sich brechen und die das Kontinuum des Wassers anregt, ephemere und dennoch bemerkenswerte Formen anzunehmen.
Maresia erhielt einen ersten Preis beim Wettbewerb „Metamorphoses“ 2006 und im gleichen Jahr eine Nennung beim Concours de musique electroacoustique, Bourges. Das Werk wurde in den Studios für elektroakustische Musik der University of Birmingham komponiert.

Daniel Barreiro (geboren 1974) komponiert vornehmlich elektroakustisch (akusmatische und gemischt-elektroakustische Stücke); seine Werke werden weltweit auf­geführt. Von 2003 bis 2006 war er aktives Mitglied von BEAST; er ist Doktor der Elektroakustischen Komposition. Momentan lebt er in Brasilien, und unterrichtet an der Universidade Federal de Uberlândia (UFU).

Maresia (‘smell of the sea’ or ‘sea mist’, in Portuguese), for electroacoustic sounds in 8-channels, is inspired by the sea in two different ways: firstly, by the pleasant experience of being immersed and surrounded by water; and secondly, by the movement of the waves and the energy they release when they break – which cause the continuum of water to assume ephemeral, yet remarkable, shapes.
Maresia was awarded the First Prize Ex-Aequo in the Metamorphoses Competition 2006 and a Mention in the Bourges Competition 2006 (Trivium - Program Music). The work was composed in the Electroacoustic Music Studios at the University of Birmingham (UK).

Daniel Barreiro (born 1974) composes mostly in the electroacoustic domain (both acousmatic and mixed electroacoustic compositions). He was awarded a Prize and a Mention in the 33rd Bourges Competition 2006 (Trivium), First Prize Ex-Aequo in the Metamorphoses Competition 2006 and was a Finalist in the VI CIMESP 2005. His works have been presented in concerts and festivals in several countries in Europe, in the Americas and in Australia. He was an active member of BEAST from 2003 to 2006 and holds a PhD in Electroacoustic Composition from The University of Birmingham (UK), where he studied with Jonty Harrison, sponsored by the Brazilian Government - Capes Foundation. He currently lives in Brazil, where he is a Lecturer in Music at the Federal University of Uberlandia (UFU).





CONCERT 2 – 21:00, Thursday 29 July / BEASTory 2


Study (in gray) (2009, realization for Inventionen 2010), 12:00 - 15:00         Ron Kuivila

Großes Vergnügen hat es mir oft bereitet, dem Verkehr in dem pseudo-griechischen Amphitheater hinter dem Konzertsaal des Mills College nachzulauschen. Durch die Beton-Biegungen der Anlage entstehen kleine Nachhalleffekte, die den Klang mit Flanger-artigen Schallartefakten wie Phasenauslöschung und Kammfilterung an­reichern. Andererseits höre ich immer wieder gerne den Übergang von einer einzelnen Schallquelle zu vervielfachten, „dekorrelierten“ Schallquellen aus mehreren Lautsprechern. So kann ein dumpfer Rosa-Rauschen-Generator sich beinahe mit der Faszination eines echten Wasserfalls bekleiden, und das begeistert mich stets aufs Neue. Diese beiden Erfahrungen: wie in dem Amphitheater physische Präsenz „elektronisch“ wird und wie elektronische Klänge durch Vervielfältigung „körperlich“ werden, erscheinen mir zentral für das Konzept der „Abstrahlung“ als musikalische Praxis. Diese Erfahrungen und Gedanken liegen Study (in gray) zugrunde. Der Titel ist eine versteckte Hommage an das Rauschen als die Mutter allen Pfeifens.
Angesichts der spektakulären Lautsprecherkonfiguration des BEAST entschloss ich mich, für diese Realisierung einen eher bescheidenen Pfad einzuschlagen. Bei stets gedämpfter Dynamik sollen vor allem die Phasenverhältnisse einzelner Lautsprecherpaare hörbar und der physische Ort der einzelnen Lautsprecher absolut klar werden. So gesehen hat das Stück eher etwas mit der Stereophonie vor dem Aufkommen des Panoramareglers zu tun als mit Ambisonics.

Ron Kuivila gestaltet Konzerte und Klanginstallationen mit elektronischen Selbstbau-Instrumenten. Installation und Performance sind für ihn komplementäre Repräsentionen, die jeweils unterschiedliche Facetten dieser Instrumente ausleuchten.
Kuivila studierte an der Wesleyan University bei Alvin Lucier und am Mills College bei Robert Ashley und David Behrman. Er konzertierte zum Beispiel in The Kitchen, P.S. 1, bei der Experimental Intermedia Foundation, im Mills College, beim „Third Coast New Music Festival“, Houston. Seine Installationen wurden u.a. im San Francisco Institute, im Los Angeles Institute of Contemporary Art und bei P.S. 1 gezeigt. Ron Kuivila war 1999 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.

I used to enjoy listening to traffic in the faux-Greek amphitheater behind the concert hall at Mills College. The concrete curves of the space created small delays that endowed the sound with the flangy artifacts of phase cancellation and comb filtering. Obversely, I always enjoy listening to the transition from a single noise source to multiple “decorrelated” noise sources going through multiple loudspeakers. It continues to amaze me that, in this way, a lowly pink noise generator can attain some of the allure of a real waterfall.  These two experiences, physical presence becoming “electronic” in the amphitheater and electronic sound becoming “physical” through multiplicity, strike me as being at the core of “diffusion” as a musical practice.  Study (in gray) arises from these experiences and thoughts.

The title is an oblique tribute to noise as the mother of all whistlers.

Faced with the spectacular configuration of loudspeakers characteristic of BEAST, I have chosen a rather modest path for this realization.  It maintains a relatively subdued dynamic level and focuses on making phase relations between individual speaker pairs audible and making the physical location of individual loudspeakers absolutely clear.  So this is a piece that has more in common with stereo before the panoramic potentiometer than ambisonics.

Ron Kuivila gives concerts and makes installations with electronic instruments of his own design. He regards installations and performance as complementary presentations that highlight different facets of those instruments.

Kuivila studied with Alvin Lucier at Wesleyan University and with Robert Ashley and David Behrman at Mills College. He has been an NEA Fellow at Creative Associates and an artist-in-residence at Media Study/Buffalo (1979-80). He was a 1980 CAPS recipient. He has given concerts at the Kitchen, P.S. 1, PASS, The Experimental Intermedia Foundation and the Bilhaud Gallery in New York. Other concerts have been presented at 80 Langton Street and Mills College in the San Francisco area, at Media Study and SUNY in Buffalo, the "Third Coast New Music Festival" in Houston, Real Art Ways in Hartford, and Wesleyan University in Connecticut. Installations have been shown at the San Francisco Institute, the Los Angeles Institute of Contemporary Art, Media Study/Buffalo, 80 Langton Street and P.S. 1.


Steel Curtain (2010) 10:12         Chris Tarren

Das Stahlwerk bietet eine Fülle an klanglichem Potential: eine Welt, die vor Energie schier birst und der eine fantastische Energie innewohnt. Wir beobachten verschiedene Prozesse – Bohren, Schweißen, Sägen usw. –, während wir uns allmählich (und vorsichtig!) ihrem Ursprung nähern. Manchmal kommen wir so nah, dass wir ins Innere des Stahls gezogen werden; dort offenbart sich uns eine geheime Welt, wo Energie und Impulse von außen widerhallen.
Mein Dank gilt den Severfield-Reeve-Werken in Thirsk, Yorkshire, wo ich ohne Einschränkungen Klänge ihrer erstaunlichen Maschinerie aufnehmen konnte.

Chris Tarren absolvierte seinen Bachelor an der University of Birmingham und studiert nun Komposition bei Jonty Harrison. Er komponiert vorwiegend elektroakustische Musik; in seiner Arbeit geht es um das Konzept von Musik im Zusammenhang mit einer bestimmten Zeit oder einem bestimmten Ort und um den Gebrauch von Technologie zur Erweiterung der instrumentalen Aufführungspraxis.

The steelworks offers a wealth of sonic potential: a world bursting with energy and containing awesome power. We observe the various processes – drilling, welding, sawing etc. – taking place, whilst gradually (and rather tentatively!) getting closer and closer to the source. At times we get so close that we are pulled inside of the steel, revealing a hidden world which resonates to the energy and impulses from outside.

Thanks to Severfield-Reeve Structures in Thirsk, Yorkshire for allowing me to record some of their amazing machinery, and giving me a free rein around the works.

Chris Tarren studied as an undergraduate at Birmingham, and is now continuing his studies in composition under Jonty Harrison. Primarily an electroacoustic composer, his work investigates the concept of music belonging to or being in a particular time or place, as well as the use of technology as a means of enhancing instrumental performance.


Firmament - schlaflos (2010), UA 20:25    Hans Tutschku

16-kanalige elektroakustische Komposition / Stimmaufnahmen: Sarah Sun / Dauer: 20:25 min / Studio: Harvard University 2010 /
Omar Alvarez gewidmet / Uraufführung innerhalb des Festivals Inventionen, 29. Juli 2010, Elisabethenkirche Berlin
Ein Universum von Klängen umgibt uns, ist in uns. Es sind unsere Träume, Ängste, Hoffnungen. Sie existieren nur in unserem Körper, unserer Vorstellung. Wir möchten sie mit anderen teilen, aber es gibt keine Worte, keine möglichen Beschreibungen.
 Wir sitzen in einer warmen Nacht in einem Grasfeld - allein, die Sterne beobachtend. Niemand unterbricht unsere Gedanken. Niemand begrenzt unseren Raum. Wir müssen nirgendwo hineilen; wir haben Zeit, uns hinzugeben und den Klang-Kreaturen zu folgen.
 Es ist kein Alptraum - es ist einfach nur das Zusammenspiel unserer Vorstellungen.

Hans Tutschku, geboren 1966 in Weimar. Dort wurde er 1982 Mitglied des Ensemble für Intuitive Musik Weimar. Er studierte Komposition in Dresden, Den Haag und Paris, begleitete ab 1989 Karlheinz Stockhausen auf mehreren Konzertzyklen, um sich in die Klangregie einweisen zu lassen. 2003 promovierte er bei Jonty Harrison an der Universität Birmingham. Er lehrte ektroakustische Komposition an der Weimarer Hochschule für Musik, am IRCAM in Paris, in Montbéliard und im Sommersemester 2003 als Edgard-Varèse-Gastprofessor des DAAD an der TU Berlin. Seit 2004 wirkt er als Kompositionsprofessor und Leiter des Studios für elektroakustische Musik an der Harvard University (Boston).

16-channel electroacoustic composition / voice recordings: Sarah Sun / duration: 20.25 min / studio: Harvard University 2010 /
dedicated to Omar Alvarez / first performance on July 29, 2010 during the festival Inventionen, Elisabethenkirche, Berlin
A universe of sound is surrounding us "from within". It's composed of our dreams, fears and longings. It only exists within our body, our own imagination. We want to share it - but there are no words, no possible descriptions. We are sitting on a meadow on a warm night - alone; watching the stars.
 Nobody is disturbing our thoughts. Nobody is limiting our space. We don't have to rush anywhere; we have time to let go and to follow these sounding creatures...
 It's not a nightmare - it's just the interplay of our imaginations.

Hans Tutschku (born 1966, Weimar). Member of the "Ensemble for intuitive music Weimar" since 1982. He studied composition of electronic music at the college of music Dresde and had since 1989 the opportunity to participate in several concert cycles of Karlheinz Stockhausen to learn the art of the sound direction. He further studied 1991/92 Sonology and electroacoustic composition at the royal conservatoire in the Hague (Holland).

1994 followed a one year’s study stay at IRCAM in Paris. He taught 1995/96 as a guest professor electroacoustic composition in Weimar. 1996 he participated in composition workshops with Klaus Huber and Brian Ferneyhough. 1997-2001 he taught electroacoustic composition at IRCAM in Paris and from 2001 to 2004 at the conservatory of Montbéliard.

In May 2003 he completed a doctorate (PhD) with Professor Dr. Jonty Harrison at the University of Birmingham. During the spring term 2003 he was the "Edgar Varèse Gast Professor" at the TU Berlin.

Since September 2004 Hans Tutschku has been working as composition professor and director of the electroacoustic studios at Harvard University (Cambridge, USA).

He is the winner of many international composition competitions, among other: Bourges, CIMESP Sao Paulo, Hanns Eisler price, Prix Ars Electronica, Prix Noroit and Prix Musica Nova. In 2005 he rezeived the culture prize of the city of Weimar.


For Piano (2010) 7:00        Shelly Knotts

Eine groteske Kollision von Bösendorfer-Klavieren.

Shelly Knotts (geboren 1985 in Newcastle) studiert momentan Komposition an der University of Birmingham bei Scott Wilson und Vic Hoyland; ihr geht es vor allem um die Kombination von instrumentalen und elektronischen Mitteln. Ihre Musik wurde mit BEAST in Birmingham und Leicester aufgeführt.

A grotesque collision of Bösendorfer pianos.

Shelly Knotts (born 1985, Newcastle) is currently studying for a Masters degree in composition at the University of Birmingham with Scott Wilson and Vic Hoyland, for which her focus is combining instrumental and electronic forces. Her music has been performed with BEAST in Birmingham and Leicester.


Figure in Aperture (2010) 7:00         Shintaro Imai

Bei Figure in Aperture für elektronische Klänge und Film handelt es sich um ein erstes Experiment zur Ausweitung meiner Idee der mikroskopischen Klangbearbeitung auf das Gebiet der Bildverarbeitung. Mit einer Makrolinse und einer Digitalkamera mit Vollformatsensor konnten extrem detaillierte Bewegungen bei sehr geringer Tiefenschärfe aufgenommen werden. Diese mikroskopischen visuellen Bewegungen wurden zusammen mit Schallaufnahmen mithilfe der Software „After Effects“ und mit einem im Max/MSP/Jitter programmierten algorithmischen Echtzeit-Klang-und-Bild-Ver­arbeitungssystem ausgearbeitet. Das Stück wurde am Sonology Department des Kunitachi College of Music realisiert und durch den DAAD Berlin und ein Forschungsstipendium des Kunitachi College of Music unterstützt.

Shintaro Imai, geboren 1974 in Nagano, Japan. Musikalische Ausbildung (Komposition und Computermusik) am Kunitachi College of Music, Tokyo, bei Takayuki Rai, Erik Oña und Cort Lippe, sowie bei Philippe Hurel am IRCAM in Paris. Zahlreiche Aufführungen weltweit,. diverse Preise und Stipendien, u.a. den 1. Preis und Nachwuchspreis bei Musica Nova Prag 2000, EARPLAY Composers Prize 2001, Residence Prize beim 26. Internationalen elektroakustischen Musikwettbewerb in Bourges (Frankreich). 2004 war Shintaro Imai Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Seit 2005 lehrt er Komposition am Kunitachi College of Music, an der Tamagawa University und Shobi University in Tokyo und übernimmt gelegentlich die musikalische Leitung von Projekten der Bauhausbühne Dessau.

This piece Figure in Aperture is the first experimentation for me to expand my idea on microscopic sound treatment toward visual image creation. By means of a macro lens and a digital camera which is equipped with 35mm sensor, it was possible to shoot extremely detailed moving matters in very thin depth of field. These  microscopic visual movements, along with recorded sounds, were expanded variously by After Effects and a real-time algorithmic audio/visual processing system programmed in Max/MSP/jitter.

This piece was realized at the Sonology Department of Kunitachi College of Music, supported by DAAD Berlin and Kunitachi College of Music Special Research Grant.

Shintaro Imai (1974) studied composition and computer music with Takayuki Rai, Erik Oña and Cort Lippe at Kunitachi College of Music in Tokyo, and with Philippe Hurel at IRCAM in Paris. Worked as a guest composer at ZKM Karlsruhe and Electronic Music Studio TU Berlin. Won the Residence Prize at the Bourges competition (FR), the First Prize at the MUSICA NOVA competition (CZ), the EARPLAY Composers Prize (US), the First Prize at the ZKM Short Cuts: Beauty competition (DE), and the Special Prize at Yvar Mikhashoff Pianist/Composer Commissioning Project (US). Received grants from the Japanese Government, the DAAD Artists-in-Berlin Programme and the Künstlerhaus Lukas (DE). Currently works as an assistant professor at Kunitachi College of Music in Tokyo, and occasionally as musical director for Bauhaus Bühne projects at Bauhaus Dessau Foundation.


For more information on BEAST and the Electroacoustic Music Studios, please visit: www.beastmusic.co.uk