Werner Cee

Komponist und Klangkünstler
geboren 1953 in Friedberg/Hessen.
Studium der bildenden Kunst in der Städelschule Frankfurt am Main.
seit 1988: Medienkunst, Klanginstallationen, elektroakustische Kompositionen.
In neuerer Zeit liegt der Arbeitsschwerpunkt bei akustischer Kunst, /Hörstücke für den Rundfunk und Raumklanginszenierungen. Unterrichtet seit 2002 an der Hochschule für bildende Kunst Saarbrücken akustische Kunst und radiophone Komposition.

Seine Werke wurden bei zahlreichen internationalen Festivals aufgeführt und prämiert.

Auszeichnungen u. a.:

Veröffentlichungen auf LP & CD:


Maschinerie der Polarlandschaft

 Komposition und Realisation Werner Cee 2004

Ein Remix aus dem gleichnamigen Hörstück, das für DeutschlandRadio Berlin produziert wurde.

Dauer 20´50´´

Im ostdeutschen Bitterfeld entstand kurz vor der Wende ein großes Wasserversorgungszentrum. Geplant war die zentrale Versorgung der Bergbauregion. Doch die unvorhersehbaren wirtschaftlichen und politischen Umbrüche veränderten die Situation vollkommen. Das Gebäude wurde nicht mehr gebraucht,  noch bevor es zum ersten Mal genutzt worden war. Ein großer Wasserspeicher wurde niemals geflutet, seiner eigentlichen Bestimmung niemals zugeführt. Vom Wasserspeicher wurde er zum „Klangspeicher“: Die von solchen Räumen bekannte extrem ausgeprägte Akustik mit ihrer Unzahl sich überlagernder kurzer Echos und den langen Nachhallzeiten ist hier besonders stark ausgeprägt. Die Abklingzeit tiefer Frequenzen beläuft sich auf bis zu 30 Sekunden.

 Für das radiophone Hörstück wurde nun Musiker zu Aufnahmen in den Wasserspeicher eingeladen. Die Sessions wurde in Mehrkanalton mitgeschnitten. Im Studio entstand daraus die endgültige Komposition. Die Komposition basiert also nicht auf einer vorher festgefügten Partitur oder einem Manuskript, sondern ist eher als eine Dokumentation, eine Spurensicherung nach der Begegnung zwischen Musikern und Ort zu sehen.

In diesem Sinne lässt sich das Stück auch als eine Soundscape Arbeit betrachten: Werden sonst die Geräusche eines Ortes aufgenommen und dann zur Komposition verwoben, so wurde hier ein stiller Ort zum Klingen gebracht, Klänge erzeugt, die nur dieser Ort in einer solchen Ausprägung ermöglicht.

 Verbindendes Element der verschiedenen Sessions war meine e-Ch‘in in Verbindung mit dem Wasserspeicher.

Diese Kombination von Ch’in, live-Elektronik und Akustik des Wasserspeichers als „Meta-Instrument“ prägt den Klangcharakter des Stücks. Aus dieser Kombination ergeben sich zwei verschiedene, ambivalente Anmutungen: Auf der einen Seite steht der technisch-elektronische, auf der anderen Seite der natürliche Instrumentenklang.

 Die Aufnahmesessions mit der Flötistin Beatrix Wagner, dem Cellisten Gerald Eckert und dem Hornisten Vladimir Djambazov liefen überwiegend improvisatorisch ab, so dass der offene, prozesshafte Charakter erhalten blieb. Die kompositorischen Vorgaben waren dabei als Assoziationsfelder, als atmosphärische oder qualitative Anregungen zu sehen und enthielten keine Angaben wie Takt, Zeit, oder tonale Festlegungen.

 So wurden nicht musikalische Strukturen, sondern Klangqualitäten und Klangereignisse, entstanden durch die starke Eigendynamik des Raumes in Wechselwirkung mit Klangerzeugern und Spielweisen zum tragenden Element des Hörstückes.